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Ökotest testet den Schulranzen

Wenn der erste Schultag im Leben der kleinen ABC-Schützen naht, können sie es kaum erwarten mit ihrem Schulranzen auf dem Rücken stolz in die Schule zu gehen. Für die Eltern der Kleinen fängt die Aufregung jedoch schon viel früher an, denn die Organisation liegt in ihren Händen. Noch bevor der erste Schultag anbricht müssen Schulranzen, Hefte und Bücher in ausreichender Menge gekauft werden.

Das wichtigste und teuerste Utensil ist wohl der Schulranzen, denn in der Regel kostet ein ordentliches Modell zwischen 90 und 160 Euro, was nicht gerade wenig ist. Wenn man bedenkt, dass einige Familien zwei oder mehr Kinder haben ist das ein hoher finanzieller Aufwand. Die Auswahl ist riesengroß, vor allem Produkte mit bekannten Trickfilm-Figuren als Oberflächen-Design werden gern gekauft. Die Designer lassen keine Wünsche offen, allerdings geraten oftmals wichtige Sicherheitsmerkmale bei der Herstellung von Schulranzen in den Hintergrund.

Eltern sollten wissen, dass es die Schulranzen-Norm DIN 58124 gibt. Diese beinhaltet, dass ein Schulranzen über ausreichend retroreflektierende Flächen verfügen muss, um als sicher zu gelten. Um herauszufinden, wie sicher Schulranzen wirklich sind, hat ÖKO Test zehn
Verschiedene Modelle zu Testzwecken gekauft. Modelle für Jungen und Mädchen wurden unter die Lupe genommen. Getestet wurde die Handhabung, der Tragekomfort sowie die Einhaltung der Normvorgaben. Außerdem wurden alle getesteten Modelle auf Herz und Nieren geprüft, was Schadstoffe in den Materialien angeht.

Das Testergebnis fiel leider nicht sehr zufriedenstellend aus, weil viele Hersteller viel zu oft an den wirklich wichtigen Sachen sparen. Einige Schulranzen sind zudem ein großes Sicherheitsrisiko, weil einerseits zu wenig fluoreszierenden Materialien verarbeitet wurden, dafür zu viele Schadstoffe in den Materialien nachgewiesen werden konnten. Allerdings gab es auch insgesamt vier Modelle, welche wenigstens die wesentlichen Anforderungen erfüllten. Das Hauptproblem liegt vor allem darin, dass entweder an reflektierendem Material gespart oder teilweise sogar ganz darauf verzichtet wurde. Die Normvorschriften wurden in diesen Fällen schlicht und einfach nicht beachtet.

Getestet wurde auch die Handhabung der Schulranzen. Hier konnte ein überwiegend zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden. Einige Modelle glänzten mit praktischen Fächern und einem geringen Eigengewicht. Bei anderen Modellen haperte es wieder, wenn es um das Schließen dem voll gepackten Schulranzen ging. Die Trageeigenschaften haben bei fast allen getesteten Modellen überzeugt, insgesamt gab es siebenmal eine glatte Note Eins.
Die Verarbeitung ist auf den ersten Blick bei allen Schulranzen als solide eingestuft worden. Qualitätsunterschiede kamen zum Vorschein, nachdem die Modelle verschiedenen Tests unterzogen wurden. In fünf Fällen trat Feuchtigkeit in den Schulranzen, bei anderen hielten die Verschlüsse nicht den Mindestanforderungen stand.

Um noch einmal auf die Schadstoffe zurück zu kommen, alle getesteten Produkte schnitten in diesem Teil des Testes mit ungenügend ab, teilweise wurde der Grenzwert sogar gefährlich überschritten. Bei den aus PVC/PVDC/chlorierten verwendeten Kunststoffen wurden teilweise Phthalate als Weichmacher eingesetzt. Auf Grund der sehr hohen Gesundheitsgefährdung ist die Verwendung in Kinderspielzeug gesetzlich verboten. In sieben der getesteten Produkte wurden außerdem phosphororganische Verbindungen nachgewiesen, in einem weiteren Produkt das giftige Halbmetall Antimon.

Beim Kauf eines Schulranzen sollten Eltern darauf achten, dass die Vorgaben der DIN 58124 erfüllt wurden. Scharfe Ecken und Kanten haben an einem Schulranzen nichts zu suchen. Zudem sollte der Ranzen nah am Rücken ein Fach für schwere Bücher sowie längenverstellbare und gut gepolsterte Tragegurte haben. Außerdem muss sich das Rückenteil der Wirbelsäule ergonomisch anpassen.